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"Alle(s) unter einem Dach - Dorfzentren und -gemeinschaftshäuser im ländlichen Raum" - war der Schwerpunkt des Vitaregiotags im Wulkower Ökospeicher. Die gut besuchte Veranstaltung - gemeinsam organisiert mit der Brandenburger Dorfbewegung - Netzwerk lebendige Dörfer e.V. - beschäftigte sich außerdem mit der Integration von Geflüchteten ins Dorfleben und mit der Selbstbestimmung von Dörfern.

Die Teilnehmer hörten interessante Beispiele für Dorfzentren. Darunter sehr unterschiedliche: Auf der einen Seite etwa das Bürger- und Kreativhaus im Altlandsberger Ortsteil Bruchmühle. Ein multifunktionaler Neubau, hauptamtlich geführt und von der Gemeinde substantiell unterstützt - für die Dorfbewohner bleiben keine Wünsche offen. Völlig anders hingegen das 70-Einwohner-Dorf Gessin in der Mecklenburger Schweiz. Dort haben sich Dorfbewohner so gut wie ohne staatliche Förderung aus einem alten Bauernhof ein Zentrum geschaffen, das weit in die Region ausstrahlt. Allen guten Beispielen gemeinsam war die Erfahrung, dass man aktive Dorfbewohner braucht mit einer klaren Vorstellung von ihren Bedürfnissen.

 

Mit viel Interesse verfolgten die Besucher des Vitaregiotags Erfahrungen aus dem Landkreis Märkisch-Oderland mit der Integration Geflüchteter. Golzows Bürgermeister Frank Schütz berichtete mit großer Begeisterung von der Aufnahme dreier syrischer Familien in seinem Dorf, verschwieg aber auch nicht, wie hart die Diskussion zunächst verlief. Schütz hatte die Integration zunächst in einem durchaus lokalegoistischem Sinne vorangetrieben: Mit den Flüchtlingskindern gelang es, die nötige Klassenstärke für eine neue 1.Klasse der örtlichen Grundschule zu sichern, ansonsten hätte die traditionsreiche Schule wohl den Anfang von ihrem Ende erlebt. Inzwischen sprechen die Kinder so gut deutsch, so Schütz, dass er fürchte, bald von ihnen in deutscher Grammatik korrigiert zu werden. Auf die starke Integrationskraft von Kindern wies auch Maria Minkley, Flüchtlingsbetreuerin des Arbeiter-Samariterbunds hin. Was bei den Kleinen gelingt, ist bei den Erwachsenen schwieriger. Schütz berichtete über die Schwierigkeiten, genug Arbeitsmöglichkeiten für anerkannte Flüchtlinge zu schaffen, um sie letztendlich auch in den Dörfern zu halten. Hier müssten bürokratische Hürden überwunden werden, um berufliche Fähigkeiten von Flüchtlingen nutzbar zu machen.

Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der politischen Interessenvertretung von Ortsteilen und kleinen Dörfern. Beklagt wurde der Rückgang an Mitwirkungsmöglichkeiten der Ortsteile. Viele fürchten, dass die bevorstehende Verwaltungsstrukturreform weitere Verschlechterungen bringt und die Zentralisierung noch weiter treibt. Die Teilnehmer wollen sich für ein landesweites Parlament der Dörfer einsetzen, in dem politische Forderungen erhoben werden, etwa Stimmrechte von Ortsbeiräten in den Gemeindevertretungen. Als Beispiel wurden in der Runde gesetzliche Regelungen in Sachsen zitiert, die den Dörfern mehr Rechte und dafür eine angemessene Finanzierung einräumen.

Eine ausführliche Dokumentation des Vitaregiotags können Sie hier in den nächsten Tagen nachlesen.