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profaugustin klein

Einfach Wasser drauf und gut? Es sei nicht so einfach, ein einmal trockengelegtes Moor wieder zu renaturieren, sagte Professor Jürgen Augustin vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg. Im jüngsten Filmgespräch zur Ökofilmtour in Wulkow gab er den Zuhörern einen Eindruck davon, welch komplexe Herausforderung die Wiedervernässung von Mooren sein kann.

Im vorpommerschen Peenetal etwa begleitet Jürgen Augustin seit etwa 15 Jahren eines der größten Renaturierungsprojekte in Deutschland. Als damals die Flussdeiche geschlitzt und die trockenen Moorflächen geflutet wurden, waren damit die Ausdünstungen klimaschädlicher Gase nicht etwa beendet. Statt dessen registirerten Augustins Messgeräte einen beunruhigenden Anstieg von Methan über den frisch vernässten Flächen.

Wütende Landnutzer und Anwohner fühlten sich damals in ihrer Sicht bestätigt: Eine Kulturlandschaft werde geopfert für ein fragwürdiges Naturschutz- und Klimaprojekt. Ursache für den Methanausstoß war die rasche Zersetzung der überfluteten Grünland-Pflanzendecke. Doch dieser Prozess ist seit dem vergangenen Jahr abgeschlossen, so Augustin. Die renaturierten Peenetalflächen erfüllen endlich ihren Zweck. Dass dieser Beweis gelungen ist, sei ein glücklicher Umstand. Nur selten gelinge es, Forschung so langfristig zu finanzieren, dass eine wissenschaftliche Beobachtung über so lange Zeit möglich ist. In Brandenburg gebe es leider keine Moorschutzprogramme, die in ihrer Dimension mit denen aus Mecklenburg-Vorpommern vergleichbar sind. Einerseits habe bislang der politische Wille gefehlt, andererseits gebe es auch ein technisches Problem: Die flachen Landschaften. Die Ausbreitung des Wassers lässt sich da kaum kontrollieren.

Rund fünf Prozent der gesamtdeutschen Treibhausgasemissionen werden von entwässerten Mooren ausgedünstet. Intakte Moore speichern in ihrem Torfkörper mehr vom klimaschädlichen CO2 als Wälder. Doch der steigende Bedarf an Agrarflächen führt dazu, dass immer mehr Moore trockengelegt werden. Im Lauf der Jahrhunderte wurden 95 Prozent der Moore in Deutschland entwässert und zu Agrarland. Die zuvor gezeigte Dokumentation „Die Macht der Moore“ erklärte diese Zusammenhänge.